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Mode im Museum

Spannende Ausstellungen in Wien und Frankfurt

2013-06-19
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FACELESS: Nezaket Ekici, Still from Gravity, 2007 © Nezaket Ekici
 

Ab dem 3. Juli zeigt die Ausstellung FACELESS part I im freiraum quartier21 INTERNATIONAL/MQ zeitgenössische Arbeiten aus Kunst und Mode, in denen Gesichter versteckt, transformiert oder maskiert sind. FACELESS eröffnet tiefgreifende Perspektiven auf dieses relativ neue Phänomen der medialen Alltagskultur und zeigt, wie es sich in Kunst, Mode, Fotografie, Werbung und Tanz manifestiert. Die Ausstellung präsentiert unter anderen Arbeiten von Künstlern wie Marina Abramović, Thorsten Brinkmann und Maison Martin Margiela sowie Projekte unbekannter Internet-Nutzer.

Für die beiden Kuratoren, den serbisch-niederländischen Künstler Bogomir Doringer und Brigitte Felderer von der Universität für Angewandte Kunst, bilden die soziopolitischen Folgen von 9/11 den Ausgangspunkt der Ausstellung. So lautet Doringers These: „Unsere instabile Identität sehnt sich nach einer Rückkehr der Maske, um diese wie in vergangenen Zeiten zum Schutz, zur Tarnung, als Requisit oder bloß zum Vergnügen zu tragen.“

 

Im avantgardistischen Modedesign setzt man seit Jahren auf Maskierungen, um die Individualität der Träger auszulöschen. FACELESS zeigt dazu Kreationen von Labels wie Maison Martin Margiela, Gareth Pugh, Viktor & Rolf und Bernhard Willhelm. Zum ersten Mal in Österreich werden Arbeiten des Künstlers und Designers Jun Takahashi für das japanische Modelabel UNDERCOVER sowie des Stylisten Katsuya Kamo für Junya Watanabes COMME des GARÇONS präsentiert.

 

Ende Juni geht die Website zur Ausstellung www.facelessexhibition.com online. Besucher und Künstler sind eingeladen „gesichtslose“ Bilder hochzuladen. Einige davon werden in FACELESS part II präsentiert, dem zweiten Teil der Ausstellung, der am 27. September eröffnet wird und sich der Neuerfindung der Privatsphäre widmet.
 

In Frankfurt/Main ist bereits letzte Woche Draußen im Dunkel. Weitermachen nach der Mode angelaufen. Mit der Ausstellung versucht sich das Museum Angewandte Kunst an der Beantwortung der Frage: Was ist Mode jetzt?

Genauer gesagt: Wenn die Mode, liebstes Kind der Warenwirtschaft, als Gradmesser des Prozesses der Moderne betrachtet wird, wie sieht dann eine Mode aus, die in Zeiten der großen Infragestellungen entsteht? Es heißt, in ihr spiegle sich die Gegenwart. Der Glücksforscher Wilhelm Schmid kürte unlängst die Melancholie zur zeitgemäßen Haltung. Doch wie kleidet sich der Melancholiker, wie ist die Mode beschaffen, die dieser Zeit ihren Ausdruck zu geben vermag?

Die Versuchsanordnung beginnt mit der Vorstellung einer Zeit, die gemeinhin als Geburtsstunde der Anti-Mode bezeichnet wird. In den 90er Jahren definierten Designer wie Ann Demeulemeester, Martin Margiela, Alexander McQueen und Helmut Lang oder Yohji Yamamoto und Rei Kawakubo eine Mode nach der Mode. Ihre Visionen brachen mit der bunten Welt der 80er Jahre, indem sie nicht länger die Ausstattung für diesen Lebensstil bereitstellten, sondern begannen, mit dessen Schattenseiten zu arbeiten und daraus ihre je eigene Ästhetik entwickelten.
Diese Vorstellungen von einer zeitgemäßen Mode wurden für zahlreiche Designer der folgenden Generation zum Gradmesser für eigene Entwürfe. Jetzt ging es nicht mehr darum, den (post)modernen Menschen zu kleiden, sondern vielmehr um die Infragestellung allgemeingültiger Lebenskonzepte. In der Abkehr von den großen Utopien der Post/Moderne wählten sie den Rückzug, den Weg der Kontemplation und Melancholie, auf der Suche nach einem eigenen Kern, den es zu kleiden galt.

In Draußen im Dunkel wird Mode anhand von Arbeiten von u. a. Maison Martin Margiela, Alexander McQueen, Boris Bidjan Saberi, Augustin Teboul und Yohji Yamamoto for Y-3 gezeigt als dünne Membran zwischen der Alltagswelt und jener anderen Seite, auf der die Modemacher die Grenzen des menschlichen Seins ausloten - in einem Weitermachen nach der Mode.


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FACELESS: Nienke Klunder, Bryce from series Big Rock Candy Mountains © Nienke Klunder

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Draußen im Dunkel: Barbara i Gongini, Black Line Collection 18, A/W 2013 © Karina a Jonson

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Draußen im Dunkel: Augustin Teboul, Les Fleurs du Mal, S/S 2013 © Dunja Antic

FACELESS part I

Eröffnung: 3.07.2013, 19h


Dauer: 4.07. - 1.09.2013

Di-So 13-19h

Eintritt frei

 

freiraum quartier21 INTERNATIONAL/MuseumsQuartier

Wien


www.facelessexhibition.com

 

Draußen im Dunkel. Weitermachen nach der Mode
Bis 15. 09.2013
Di, Do-So 10-18h
Mi 10-20h

Eintritt: EUR 9 /4,50

Museum Angewandte Kunst
Schaumainkai 17


60594 Frankfurt am Main